Der 17 - Meter- Kutter

 

 

 

Es gab den Typ I, der bis Mitte 1949 gebaut wurde.Länge ü.A. =  17,60 m,  Breite 5,00 m.Ab Mitte 1949 wurde auf allen Werften der Typ II gebaut,  dieser war 17,30 m lang und 5,60 m breit.  Man nannte ihn den breiten 17 Siebzehner.

Tiefgang  1,90 m

48 BRT

Nutzladung: 9,5 to

Antriebsleistung: 80 PS Buckau-Wolf  mit 600 Umdr. oder  der 100 PS Motor KR 18 V  mit

500 Umdr. von Bohn& Kähler aus Kiel.

Geschwindigkeit: 7 Kn

Besatzungsstärke: bis 5.   Im Logis vorne waren 4 Kojen und der Kapitän ruhte auf einer Klappbank im Ruderhaus.

Einsatzdauer: bis 4 Tage

Der Kutter-Rumpf war grün, das Ruderhaus farblos gestrichen.Es ist eigentlich der kleine 24-m-Kutter.Im August 1948 wurde auf der Max Rohde Werft in Gehlsdorf der erste 17-m-Kutter  für 300.000,00 Mark abgeliefert. Am 7. Februar 1949 wurden zwölf 17-m-Kutter in Saßnitz übernommen, dies  gilt gleichzeitig als  Gründungsdatum des VEB Fischkombinat Sassnitz. Die Kutter wurden alle nach einem Bauplan auf 18 Werften in Ost-Deutschland gebaut,wobei auf der „Boddenwerft“  in Damgarten 83 Kutter gebaut wurden.Es war eigentlich der Standard  17-m-Kutter Typ D von 1936/37. Nach Praxis-Erfahrungen wurde im Mai 1949 der Kutter optimiert und hatte folgende Veränderung:  jetzt 5,60m breit und das Ruderhaus  vergrößert.

Von 1946 bis 1956 wurden 355 17-m-Holzkutter gebaut, davon 124 für Saßnitz.226 Kutter wurden als Reparationsleistung für die Sowjetunion gebaut.Über ein Knüppelgestänge wurde das Getriebe gesteuert ( Voraus-u. zurück )Das Abgas wurde anfänglich dicht über die Wasseroberfläche nach außenbords geführt.Die Kurrleinenwinde wurde über ein Getriebe mit Kardan-Welle von der  Hauptmaschine angetrieben und an Deck  ein- und ausgekuppelt.Die Winde hatte einen Trossenzug von 1,5 Tonnen.

2000 l Dieselkraftstoff  plus 2x 60,0 Liter Tagestank und  675 Liter Trinkwasser konnten gebunkert werden. Pro Tag verbrauchte der Motor 290 Liter Dieselkraftstoff.Das Deckshaus stand auf einen 60 cm Süll, war mit  40 mm Eichenholz beplankt.  Das Ruderhaus erreichte man über zwei Trittstufen. Backbord-achtern war die Toilette  und Steuerbord der Niedergang zum Maschinenraum.Der Maschinenraum wurde durch ein Oberlicht vor dem Deckshaus belichtet und belüftet,zusätzlich waren  hier zwei Hutzen ( Drucklüfter ).Der rechtsdrehende Propeller hatte einen Durchmesser von 88 cm.37 Spanten 42 cm Abstand Beplankung 55mm Eiche Kraweel.Es gab eine Handlenzpumpe für die Bilge - durch den Fischraum. Zur Ausrüstung gehörte ein Beiboot mit den Abmaßen: 3,75 m x 1,35 m,  200 Kg schwer,es war an Bb. gezurrt.

3 Spitzsegel  ergaben eine Segelfläche von 45,0 qm.Der vordere  Mast war 24 cm stark, stand auf dem Kielschwein und ragte 10,0 m über Deck.An diesem Mast war ein 3 m langer Baum, 15 cm stark und einer Traglast  von einer Tonne.Der Besanmast war 14 cm stark und 7,5 m über Deck.Als Notruder hatte der Kutter eine aufsteckbare Pinne.

Anfangs wurde vor der Haustür ( in Sichtweite des Kirchturmes ) im Sassnitzer Graben,  Norden ab ( nördlich Arkona ), südlich Ystad, an der Tonne 4 ( Saßnitz Ostansteuerung ) und  südlich Duodde mit dem Grundschleppnetz auf Hering,  Dorsch und Flunder  gefischt.

Der Kutter  wurde nach den Vorschriften des Germanischen Llyod gebaut und ausgerüstet, so war nur das Notwendigste an Bord, für den Fischereibetrieb fehlt eigentlich das Echolot.So gab es noch Petroleumleuchten mit kardanischer Aufhängung als Notbeleuchtung und Deckslaternen mit Petroleum.

Einige betrieben auch die Lachsangelei mit 4000 Haken in der Danziger Bucht und waren dann bis 10 Tage unterwegs. Dabei wurden zuerst private Geschäfte in Neksö getätigt und dann in Gdynia  gefrorene Sprotten als Besteck gekauft. Wegen Erfolglosigkeit wurde die Angelei aber aufgegeben.

Als 1957 die 26,5-m-Stahlkutter kamen wurden die 17-m-Holzkutter an die Fischereigenossenschaften von Wismar bis Ueckermünde weiter gegeben.Später wurden die Ruderhäuser modernisiert und stärkere Motoren eingebaut.Bis Mitte 1950 musste Tag und Nacht die „Costa-Rica-Flagge“ geführt werden, ebenso musste diese vor der Fischereikennung am Schanzkleid  aufgemalt sein.

Per 31.7.1995 waren noch 17 Kutter aktiv.

 

(zusammengetragen von Kapitän Karl-Heinz Voß)

 

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(Foto: Archiv Kröger)

 

Als Mooses auf einem 17 m Kutter in Saßnitz 1951

von Kapitän Günther Kröger

 

Als schlanker Junge, 15 jährig, mit einem blonden Lockenkopf, einem großen Koffer, so hatte mich mein Großvater auf dem Saßnitzer - Bahnhof abgesetzt. Er musste zurück nach Ribnitz-Dammgarten, war dort Sanitäter auf der Werft. Damals dachte ich, jetzt sieh‘ mal zu, wie es weitergeht. Keiner mehr da, der dich an die Hand nimmt. Vor dem Bahnhof standen noch andere Jungs, sie schauten ebenso unsicher, suchten wohl auch den Weg ins Lehrlingswohnheim des damaligen Fischkombinates. Ein Saßnitzer meinte, immer gerade aus, er wusste wohin wir wollten. Wir machten uns auf den Weg.

In Dwasieden, in einer neben dem Hauptgebäude stehenden Baracke, in einem kleinen Zimmer mit vier Kojen an den Seiten und übereinander wurden wir untergebracht. Für uns vier Lehrlingen reichte der Platz kaum. Nicht sehr einladend - duster. Meine Mitbewohner aus Boizenburg, Stavenhagen und Döbeln, Kreis Zeitz dachten nicht anders. Als wir unsere Kojen bauten, mussten zwei draußen warten.

Die ersten Tage habe ich nie vergessen. Alles war neu und ungewohnt für mich, kaum ertragbar. Ich war anderes gewöhnt.

Wir Lehrlinge rückten näher zusammen, gewöhnten uns schnell an einander, es blieb uns auch nichts anderes übrig. Ich blieb aber sehr zurückhaltend und wortkarg, stellte mich aber nicht abseits. Natürlich stiefelten wir bei der ersten Möglichkeit in den Hafen. Als zukünftige Fischer hatten wir unsere Seeausrüstung erhalten. Die Stiefel wurden zu jeder Gelegenheit angezogen. Sie wurden oben etwas umgekrempelt, dazu den Rollkragenpullover. Wir wollten wohl schon als Fischer gelten, ich fand es gut, damals.

Im Hafen lagen nun unsere Schiffe – die Kutter. Sie dümpelten vor sich hin, als hätten sie nichts von uns bemerkt. Fred meinte: „Kaum Leute hier!“ Und Steffi ergänzte: „Aber sauber sieht es überall aus!“ Uns wehte der Wind von der See ins Gesicht, irgendwie roch es salzig. Doch, da waren einige Fischer, wir entdeckten sie auf der langen Pier beim Netzflicken.

Neugierig, wie wir waren, stiegen wir an Bord und schauten in das Ruderhaus, fassten im Vorschiff an die Tür des Niederganges, befühlten das Tauwerk und rochen an den Fischkisten. Ein älterer Fischer schaute sich unser Tun eine Zeit lang an, dann nahm er uns mit und zeigte uns seinen Kutter. Er konnte sich denken, dass wir zu den neuen Lehrlingen gehörten und endlich an Bord eines Kutters wollten. Wir drehten an dem Steuerrad, warfen einen Blick auf die Seekarte und schauten im Vorschiff das Logis an. Es roch etwas eigenartig, doch der Fischer meinte, es ist nur das Bülschwasser. Wir wussten mit dieser Aussage nichts anzufangen. Fred, der ehemalige Boxer aus Stavenhagen zog die Nase hoch und meinte: „Daran kann man sich gewöhnen“. Jetzt waren wir unserem zukünftigen Beruf hautnah, wenn auch alles noch nicht nach einer Hochseefischerei aussah. Ich dachte an die Geschichten auf den alten Seglern, da schliefen die Seeleute in Hängematten. Wir hatten Kojen im Logis. Hatten wir es uns so vorgestellt? Ich hatte auch über Fischdampfer gelesen, die nach Neufundland fuhren. Dort waren die Außenwände nicht einmal isoliert gewesen und oft lagen zwei Leute in einer Koje.

Wir spürten, dass uns noch einige Überraschungen bevorstanden, und bestimmt andere als wir uns bisher vorstellten. 

Die kleine Kombüse sah sehr einladend aus und unser Sachse rief: „Hier bekomme ich bestimmt was vernünftiges zusammengebraut!“ Ich dachte mit einer Milchsuppe und einem Eintopf wirst du hier wohl auch klar kommen. Mehr kochen hatte ich nicht gelernt, viel-leicht noch Eierbraten, doch abwarten, du wirst es schon erleben.

Etwas Nachdenklicher gingen wir wieder von Bord, obwohl der Fischer uns aufmunternd auf die Schulter klopfte. Stehst du durch, dachte ich. Jetzt gehörst du zu den Seeleuten.

Wir konnten unsere erste Seereise kaum erwarten.

An den ersten Tagen in der Schule wurden wir eingewiesen, mussten viele Belehrungen über uns ergehen lassen, bevor an einen Seeeinsatz gedacht werden konnte.

Endlich war es soweit. Ich schulterte meinen Seesack, den ich mit meiner Seeausrüstung gepackt hatte und auch mein dickes Unterzeug und was ich sonst noch brauchte, fand dort seinen Platz. Unsere Mütter hatten vorgesorgt, warmes Unterzeug hatten wir alle.

Mein 17 m Holz - Kutter hatte den Namen „Hanno Günter“ und er sollte an der Eisfabrik liegen. Tatsächlich dort lag er und Eis rutschte in den Laderaum. Der Mann an der Lucke beachtete mich anfangs gar nicht. Was nun dachte ich, du musst an Bord. Ich warf meinen Seesack an Deck und an einem Steigeisen stieg ich an Bord. Nun kam der Mann näher und bestaunte mich neugierig und auch etwas überrascht. „Was wird denn das, was willst du hier an Bord?“ Ich fingerte das Schreiben aus meiner Tasche und reichte es ihm. „Lehrling?“ Er warf einen Blick auf die Luke und als dort alles in Ordnung war, meinte er: „Warte einen Augenblick, wir sind hier gleich fertig“!

Er ging rückwärts den Niedergang nach unten, nahm mir den Seesack ab. Ich stieg hinterher. Von der kleinen Kombüse ging es ins Logis. „Den Spint kannst du haben und dort oben ist deine Koje. Bettzeug hast du mitgebracht, dann kannst du die Decken beziehen, deine Koje fertigmachen.“ „Dein Name?“, er zog mein Schreiben wieder aus der Tasche und schaute darauf – „Ich heiße Hein und bin hier Matrose“. Er wusste wohl auch nicht Recht, was er nun mit mir anfangen sollte. „Morgen früh laufen wir aus, hast du schon was zum Essen gekauft?“ Ich zuckte mit der Schulter und holte meine Proviantscheine hervor. Er kramte in seinem Spint und reichte mit eine größere, stabile Tüte. „Geh‘ hier unten aus der Betriebswache, die Straße hoch und dann auf der linken Seite ist ein Geschäft, ein Konsum. Dort kannst du Butter, Marmelade, Wurst und was du sonst noch brauchst kaufen. Kaufe nicht zu viel, auf See essen wir meistens Fisch. Du must noch Anmustern beim Seefahrtsamt“. Dann verschwand er. Das Seefahrtsamt fand ich und ich wurde zum ersten Mal in eine Musterrolle eingetragen. Stolz verließ ich das Büro.

An Bord war nun niemand. Eigentlich fühlte ich mich einsam und verlassen, als ich unter die Decke in die Koje kroch. Zuvor hatte ich den Kutter erkundet, so gut es ging. Es sah gut aus an Bord. Auf-geräumt und sauber. Im Logis roch es auch hier eigenartig nach verfaultem Wasser, aber es war ertragbar. Ich fühlte die weichen Bewegungen des Kutters, hörte das Knarren der Taue am Poller – der Wind hatte wohl etwas aufgefrischt. Du bist an Bord eines Schiffes, gehörst zur Besatzung und morgen früh geht es los, waren wohl meine Gedanken.

Hein weckte mich und meinte, der Schipper will dich sehen. Am Ruderhaus standen drei Männer, das Gespräch verstummte als ich bei ihnen stand. „Ich bin der Lehrling, mein Name ist Günther Kröger, bin ganz neu hier!“ Der Schipper reichte mir die Hand, auch der Maschinist und der Decksmann. Er forderte mich auf mit ins Ruderhaus zu kommen. Hier meinte er und ich war ganz überrascht: „Ich wünsch dir alles Gute, es wird nicht leicht werden für euch Jungs auf den Kuttern, aber wir werden dir hier helfen in der ersten Zeit, dann must du selber sehen. Hein wird dich betreuen und dir alles Notwendige zeigen, Vorsicht bei allen Arbeiten, eine Belehrung habt ihr ja schon in der Schule erhalten, alles andere zeigen wir dir hier an Bord. Gemustert hast du und Proviant auch gefasst. Du kannst mit Hein vorne die Leinen los schmeißen, wir laufen aus“.

Unser Kutter machte noch einmal am Zoll und an der Grenzstation fest. Dann spürte ich die leichte Bewegung, die unser Kutter in der See machte. Das Molenfeuer blieb an Backbord zurück. Ich schoss die Festmacherleinen auf, wie Hein es mir zeigte. Mittschiffs waren nun der Decksmann und Hein dabei das Netz aus dem Mast an Deck zu holen. Hein band neue Kugeln ans Netz auf die Headleine und der Decksmann erneuerte einige Ketten an dem dicken, umwickelten Tau - Hein nannte es Grundtau. Natürlich sah ich nur Netzmaschen und Tauwerk, wusste nicht wo was zu gehörte und wozu es gut sein sollte. Hein meinte: „Lernst du alles sehr schnell. Beim Fischen, beim Aussetzten und Netzhieven nie ins Netz und das Tauwerk treten. Immer mit den Füßen dahinter bleiben“. Und er schob mit seinen Stiefeln das Netz und die Leinen an die Bordwand. Das Netz und Taue waren eigentlich gut geordnet, aber für mich sah alles wie ein Durcheinander aus, wie sollte ich es auch besser wissen.

Die Bewegungen des 17 m Kutters waren beinahe angenehm. Das Wetter war ganz normal und es wehte nur eine leichte Brise. Hein meinte: „Komm‘ wir gehen Kaffee kochen“.

Hein zündete den Herd mit Papier und kleinem Holz an. Ich dachte an unsere Öfen zu Hause. Die Herdplatte war ja nicht groß und bot wohl zwei Töpfen Platz. Der Teekessel blies den Dampf ab. Hein hatte die Kaffekanne schon fertig und goss das kochende Wasser  in die Kanne. Er nahm eine große Tasse und meinte bring die Muck ins Ruderhaus zum Schipper, der wartet bestimmt schon darauf.

An Deck empfing mich die leichte Brise. Ich hielt mich am Mast an den Tauen fest, denn wir holten immer wieder über, wenn auch nur leicht. An Backbord sah ich die Küste von Rügen und an Steuer-bord nichts als Wasser.

Vorsichtig ging ich zum Ruderhaus. Der Schipper öffnete die Tür und nahm mir die Muck, wie sie hier zu den Tassen sagten, ab. Ich schaute ihn erwartungsvoll an und er machte eine einladende Bewegung ins Ruderhaus zu kommen. Er stellte den Kaffee vorsichtig neben dem Kompass ab und drehte etwas am Ruder. Wir hatten ja schon ein Ruderhaus besichtigt, auch hier sah es nicht anders aus. Da war der lange Hebel oder Arm zum Umsteuern der Maschine und vor dem Brückenfenster an der Steuerbordseite über der Umsteuerung der kleine Hebel zum Beschleunigen des Motors. Der Kompass stand vor dem Ruder und davor war der Ruderanzeiger. Hatte uns der Fischer alles schon erklärt. Der Schipper erklärte es mir noch einmal. Wichtig ist, dass du nie wie wild am Ruder drehst, immer bedächtig. Du siehst ja am Kompass, wenn der Kutter ausschert. Dann sachte Gegenruder geben, aber du wirst es schon noch lernen. Aber auch den Blick immer auf die See, damit wir nicht unsere Kollegen rammen.

Er trat zur Seite und überließ mir das Ruder. Mein Herz klopfte. Das ist der Kurs meinte er und nun musst du versuchen diesen Kurs zu halten. Er stand hinter mir, verlangsamte mein Kurbeln am Ruder und erläuterte wann ich Gegenruder geben musste. Ich glaube es sah hinten am Kielwasser nicht besonders gut aus und wir fuhren Schlangenlinien. Ich hatte meine erste halbe Stunde am Ruder eines Schiffes gestanden. Herrgott war das ein schönes Gefühl.

Stubbenkammer und der Königsstuhl mit dem Kap Arkona blieben an Backbord etwas zurück. Ich hörte wie der Schipper zum Maschinisten sagte, - Norden ab, werden wir aussetzen -.

An Deck hatten Hein und der Decksmann an den Scherbrettern hantiert und sie hingen nun in den Galgen, vorne und achtern an der Steuerbordseite. Hein war nun dabei den Steert zu schließen. Er band und wickelte am Steertende, ich dachte wie sieht denn das aus, den bekommt er nie wieder auf. Später sah ich, dass gerade dieser komplizierte Knoten ganz einfach zu lösen war.

Die Bewegungen unseres Kutters waren etwas stärker geworden. Eigentlich hatte ich Bammel vor der Seekrankheit, doch noch war alles normal, ich hatte wohl Glück.

Ich musste mich auf der Luke platzieren und durfte erst mal zusehen, wie sie das Netz aussetzten. Wir lagen mit der Steuerbordseite im Wind und das Netz trieb gut vom Kutter ab. Der Schipper drehte nun den Kutter nach Steuerbord und dann flogen vorne und hinten jeweils eine starke Leine über Bord. Wir hatten nun wohl das Geschirr achteraus als die Scherbretter gefiert und die stabilen Kurrleinen von der Trommel gezogen wurden. Dann verlangsamte der Schipper die Geschwindigkeit, die Kurrleinen wurden festgedreht und dann zog die Geschwindigkeit wieder an, wir schleppten das Netz.

Nun setzten wir an Deck Schottenbretter ein. Wir bildeten Hocken in denen wohl der Fisch gesammelt werden sollte. Der Decksmann hantierte im Fischraum, er bereitete Kisten vor, die dann wohl in den Hocken mit dem Fisch und dem Eis verstaut werden sollten. So sah es von Deck aus.

Nach etwa zwei Stunden holte die Winde die Kurrleinen ein. Die Scherbretter wurden abgefangen und danach wurden die Achterleinen gehievt. Beim Einholen des Netzes durfte ich mit anfassen. Hein meinte: „So muss man es machen und die Füße nicht ins Netz stellen“. Wenn wir die Bewegung unseres Kutters richtig nutzten, war es gar nicht so schwer.

Hein meinte, als wir den Steert hievten und er ihn öffnete: „Na, so eine Tonne Dorsch, aber gute Ware“. Schon war er dabei mit dem Decksmann den Steert wieder zu schließen. Mit einem lautem „Hei Geit“ warfen sie den Steert wieder über Bord. Die See holte sich das Netz. Wir, ja, ich durfte mit anfassen, passten nur auf, dass alles klar war und nichts hängen blieb. Diesmal beim Aussetzen sah ich schon etwas besser durch, denn wenn das Netz rausgezogen wurde, konnte man sich vorstellen, wie alles im Wasser aussah.

Als die Kurrleinen wieder gefiert wurden, kam Hein zu mir und fragte, ob ich ein Schlachtmesser habe. Natürlich hatte ich ein Messer, aber scharf ist es nicht, meinte Hein. Er gab mir eins von seinen Messern und zeigte mir, wie man einen Dorsch entweidete.

Ich stellte mich nicht gerade gut an, weil der Fisch zappelte.

Der Kopf wurde mit einem Beil abgetrennt, alles wurde gewaschen, danach über einen Trichter in den Laderaum gekippt.

Der Decksmann füllte die Kisten und deckte sie mit Eis ab. Dann kamen sie in die Hocken.

„Ab in die Kombüse und Kaffeekochen“, war die Order von Hein – „ich komme gleich nach“.

Kaffeekochen konnte ich nun schon, nachdem Hein die Kaffeemenge festlegte. Die Muck zum Schipper bringen, hatte ich auch kapiert. Da ich keinen Kaffee wollte, musste ich die Pfannen reinigen. Das waren zwei Pfannen die gerade so auf die Herdplatte passten. Also gibt es heute Mittag Fisch, wohl nur Fisch, da ich keine Kartoffel sah, dachte ich.

Auch der zweite und dritte Hol brachten jeweils über eine Tonne guten Dorsch. Die wenigen Plattfische musste ich aussortieren, die verspeisen wir zum Mittag, meinte Hein.

Ich zeigte dem Schipper den Wasserschlauch, Wasser konnte abgedreht werden, ich war mit dem Abspülen des Decks fertig.

Meine Arbeit nach den Hols, wenn der Fisch von Deck war.

Hein und der Decksmann bereiteten die Schollen für das Mittagessen vor. Ruckzuck waren die Flossen ab, die Innereien entfernt und der Kopf abgetrennt. Säubern durfte ich sie.

Ich machte Handreichungen in der Kombüse, Hein bediente beide Pfannen. Wir hatten beide kaum Platz hier in der Kombüse. Mir lief das Wasser im Munde zusammen. Goldbraun und etwas knusprig, wie ich es mochte, schwammen die Schollen in den Pfannen. Wieder brachte ich dem Schipper sein Essen. Alle anderen saßen in dem kleinen Logis um die Back. Ich durfte an der einen Seite vorne sitzen. Warum merkte ich schnell. Hol‘ mal das Salz, den Pfeffer oder die Gurken. Ich wusste als Schiffsjunge, als Lehrling, war man immer derjenige, der Laufen konnte. Ich machte es gerne, mir gefiel es hier.

Erst am nächsten Tag, spät am Nachmittag lagen wir an der Löschhalle. Das war der Platz, an dem der gefangene Fisch abgestellt wurde, bevor er in die Kühlwaggons zum Transport ins Binnenland verfrachtet wurde. Kühlwaggons war bestimmt zu hochtrabend, denn gekühlt wurde hier anfangs ebenfalls nur mit Eis. Wir mussten unseren Fang aber selbst löschen. Dann waren der Decksmann und ich, eingepackt in Ölzeug im Laderaum. Mit einem Wasserschlauch und Schrubber und auch Bürste wurde der Raum, in dem die Kisten standen gründlich gesäubert.

Wir lagen wieder an der Pier, eine Nacht blieben die Besatzungs-mitglieder bei ihren Familien. Ich kroch unter meiner Decke, fühlte mich aber nicht mehr so einsam, wie in der ersten Nacht hier an Bord.

Ganz früh war es wieder Hein, der mich weckte und anspornte, schnell an Deck zu kommen. Wir gingen wieder in See, ein neuer Fischtag begann. 

 

Lehrling Günther Kröger

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Foto: Fritz Peters 17 Meter Kutter (1957)

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Fotos: Dietrich Strobel

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Wegsetzen

"Seemannsfrühstück"

Der dritte "Mann" an der Rutsche

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Decksmann Erwin T. begutachtet den Fang

 

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Wolfgang Schnuchel erinnert sich......

 

Wolfgan Sch. hat 1953 den Beruf eines Hochseefischers in der BBS/Dwasieden erlernt

 

 

 

 

Vom Fang zurück  SAS 152(31.3.1955)

 

SAS 149

 

 

 

 

Auf SAS 57 mit Kapitän Eichhorst

Beim Schlachten

 

Fotos: Wolfgang Schnuchel

 

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