Hochseefischer Lutz Schuch
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Meine Lehrlingsausbildung an Bord von SAS 319 „Riesenhai“ (Ausschnitt)
Ein Ausbildungsteil in der zweijährigen Ausbildung (09.83 bis 08.85) war die praktische Arbeit auf einem 26,5 m Kutter, Dauer 6 Monate. Mein Schiff war SAS 319 „Riesenhai“ , ist heute noch seetüchtig und fuhrt unter dem Namen „Krebs Geo“ als Versorger für die Windparks in der Ostsee. Derzeit heißt er wieder „Riesenhai“ und fährt unter der Flagge von Antigua und Barbuda.
Meinen ersten Tag an Bord und die erste Erfahrung mit der Seekrankheit werde ich nie vergessen. Als ich das Schiff betrat, duftete es verführerisch nach gebratenem Fisch. Der Koch bereitete frische Flundern in der Pfanne (schön in reichlich Butter gebraten) zu. Mir lief das Wasser im Mund zusammen und ich freute mich auf das Essen. Mittlerweile jedoch waren wir am Auslaufen, nach Umfahren der Mole begann der Kutter zu schaukeln. Obwohl die Wellen nicht sehr hoch waren traf mich die Seekrankheit. Der Appetit auf gebratene Flunder verging sehr schnell. Der Magen leerte sich rasch. Nach ca. zwei Tagen jedoch hatte ich vorläufig die Seekrankheit überwunden, ich wurde straff in die Fischereiarbeit einbezogen. Es gab natürlich keine regelmäßigen Arbeitszeit, gearbeitet wurde, wenn Fisch da war, gegessen und geschlafen wurde, wenn der Fisch fertig verarbeitet war und wir schleppten. Es wurde hauptsächlich Dorsch und Flunder gefangen, an Deck geschlachtet und anschließend im Ladenraum in Kisten mit Eis gelagert. Manchmal waren im Netz auch Teile von Raketen, Flugzeuge und andere militärisch aussehende Teile. Die Kollegen an Bord haben mich sehr gut aufgenommen und mir viel über die Fischerei, Netze, Winden usw. beigebracht. Nach jeder Reise (max. 14 Tage) folgten drei Tage frei an Land. Wie stolz war ich, als ich die ersten Basarscheine (1:1 in D Mark) in der Hand hielt. Als Lehrling bekam ich 0,80 DM pro Tag. Mit stolz geschwellter Brust ging in den Seemannsbasar (ähnlich Intershop) einkaufen. Ein „Ausweis“ das man Fischer war und somit auch Zutritt zum Seemannsheim bekam, war ein Jeanshemd, welche sich fast alle Lehrlinge meiner Klasse im Semmannsshop kauften. Auch „Westzigaretten“ war ein untrügliches Zeichen.
Eine meiner Reisen als Lehrling führte mich nach Lysekil in Schweden. Dort haben wir Heringe von schwedischen Fischern übernommen und als Salz- oder Kräuterhering verarbeiten. Meine erste Reise ins westliche Ausland ! Meine Vorfreude währte jedoch nicht lange, denn auf der Überfahrt gab es einen kräftigen Ostseesturm. Schlimmer als am ersten Tag ereilte mich wieder die Seekrankheit. Wie schon oft überall beschrieben, kotzte ich mir die Galle aus dem Hals, im wahrsten Sinne des Wortes.
Die Matrosen an Bord spendierten mir in Lysekil eine Flasche Schnaps, die ich bei den Einheimischen, die ständig auf der Pier auf- und ab gingen, gegen schwedische Kronen eintauschte. Ich hatte echtes „Westgeld“ in der Hand!
Ein weiteres Highlight war das Ausrüsten des Kutters für die nächste Reise. Es wurden Sachen geladen, die man sonst in der DDR nur schwer bekam: Ketchup, Erdnussflips, Salzstangen… Die lieben Kollegen spendierten mir diese Raritäten. Dafür war ich auch immer früh der erste im Hafen und habe den Schlüssel für den Kutter in der Fangleitung geholt und den Kutter aufgeschlossen. Alles in Allem war das halbe Jahr Fahrenszeit einfach nur Klasse, und die Geldspende der Kollegen am Ende der Fahrenszeit viel sehr reichlich aus.
Nach Abschluss meiner Lehrzeit stand eine wichtige Entscheidung an. Da ich in Sachsen wohnte, war die Freizeit nach zwei Wochen auf See mit drei Tagen sehr wenig. Es lohnte sich nicht, in dieser Zeit nach Hause zu fahren. So entschied ich mich, die Flotte zu wechseln und bewarb mich im Fischfang Rostock. Dort fuhr ich dann bis zur Wende auf dem ehemaligen
Sassnitzer Frosttrawler "SUND" (SAS 411) ROS 511.
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