Ein Fischerjunge wird Kapitän
Eines Tages im Februar 1960 flatterte ein Brief ins Haus:
"Werter Kollege Sakuth,
wir nehmen Bezug auf Ihre Bewerbung und freuen uns, Ihnen mitzuteilen,
dass Sie für den Einsatz in der Hochseeflotte vorgesehen sind.
Bitte melden Sie sich am ... in der Kaderleitung.
Mit kollegialen Gruß
Müller"
Das war der Beginn meiner Karriere im Fischkombinat Sassnitz, wo ich mich heimlich
beworben habe. Mein Entschluss stand felsenfest: Ich will mich frei machen von meinen
Eltern und selbstständig werden, auf eigenen Füßen in das Leben schreiten. Da sich mein
Vater ausgedacht hat, dass ich einmal seine Stelle (Küstenfischer) einnehme, wenn er sich
zur Ruhe setzte, war er doch über meine Entscheidung etwas missgestimmt.
Die Einstellungsformalitäten im Kombinat haben dann den ganzen Tag in Anspruch ge-
nommen. Mit einen Laufzettel musste ich dann alle für die Flotte zuständigen Abteilungen
durchlaufen, mich registrieren lassen und mein Erscheinen durch Unterschrift besiegeln lassen:
-Lohnbuchhaltung
-Sicherheitsinspektion
-Nautische Inspektion
-Personalplanung
-BGL-Vorsitzender
-SED-Parteileitung, obwohl ich parteilos war
-Materialausgabe für Arbeitsschutzbekleidung
-Medizinischer Dienst
-Eisatzleitung (Heuerstelle)- dort erhielt ich die Information, dass ich auf SAS 243 vorgesehen bin.
Am nächsten Tag ging es dann mit dem Heuerschein zum Seemannsamt und wurde so offi-
zielles Besatzungsmitglied auf den 24-m-Kutter SAS 243.
(Auszugsweise aus meinem Buch "Sohn der sieben Weltmeere" )

